Advocatus Diaboli

Bei einem meiner Geheimeinsätze

bedeutet ‚Anwalt des Teufels‘. So nennt man jemanden, der bewusst Gegenargumente in eine Diskussion einbringt. Der Begriff Querdenker passt auch. Und als solcher würde ich mich bezeichnen, wenn es um Burma/Myanmar geht. Meine Devise dabei war und ist: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil! Da die Gegner des burmesischen Regimes in ihrem Hass (z. B. auf die SLORC-Regierung*) oft hanebüchenen Unsinn erzählten, sind deren an den Haaren herbeigezogenen Argumente in der Regel leicht zu widerlegen. Das brachte mir den Ruf ein, ein Freund der Regierung zu sein. Was nicht stimmt. Ich war (und bin) aber auch kein Feind der Regierung. Weder der Militärregierung noch der NLD-Regierung. Ich denke nicht, dass die wechselnden Regierungen des Landes schlechter sind bzw. waren als die vieler anderer asiatischer Staaten.

 

Mein angeblicher Boss - Khin Nyunt

Warum gerade sie so viel negative Aufmerksamkeit erfahren haben, bleibt mir ein Rätsel … Und ich bin in diesem Land ein GAST. Auch nachdem ich 25 Jahre hier lebe und mit einer Einheimischen verheiratet bin. Ich habe keinerlei Rechte. Außer dem, das Land zu verlassen, wenn mir etwas nicht passt. Daher auch meine Skepsis gegenüber Leuten wie Emma Larkin & Co. Ich erkenne neidlos an, dass sie toll schreiben kann. Vor allem, wenn es um die Beschreibung von Obst auf Märkten geht … Aber was nützt das alles? Als Journalistin ist sie nach meinem Verständnis zur Neutralität und ausgewogener Berichterstattung verpflichtet. Das sollte auch dann nicht über Bord geworfen werden, wenn es – scheinbar – einer guten Sache dient. Aber vielleicht bin ich ja nur altmodisch.   

* (State Law and Order Restoration Council) war der erste Name, den sich die Militärdiktatur 1988 gab; später umbenannt in SPDC (State Peace & Development Council). Das war eigentlich sehr schade, ich fand den Namen SLORC so schön. Er klang wie die Personifizierung des Bösen. Eine Mischung aus der bei Kindern beliebten Ekelmasse Slime sowie Slug (Nacktschnecke) und den finsteren Unholden (Orks) aus Tolkiens ‘Herr der Ringe’. Und das Tollste: Ich selbst war – angeblich – ein SLORC-Agent. Mit burmesischem Pass!

Kein Mensch wird behaupten, dass die Zustände in Myanmar nicht z. T. beklagenswert und verbesserungsbedürftig sind. Allerdings trifft das auch für andere Länder zu – in der Region und auch darüber hinaus. Nach Beispielen braucht man nicht lange zu suchen. Mit Boykotten und Sanktionen wird vom Westen seit Jahrzehnten versucht, diese Zustände zu verändern – der                   

Erfolg ist begrenzt geblieben. Was uns hier in Myanmar ansässige Ausländer wurmt ist die Tatsache, dass die angelegte Messlatte so ungerecht ist.  Hier wird im Namen der Moral ein Exempel an einem kleinen, unbedeutenden Land statuiert, weil man dadurch keine oder nur geringe wirtschaftlichen Nachteile zu befürchten hat. Es ist wie auf dem Schulhof: An die Kleinen, Schwachen traut man sich heran, aber nicht an die Großen. Warum boykottiert keiner China? 

Dessen Regierung unterdrückt das eigene Volk sicherlich nicht weniger als die von Myanmar das ihre. Letzteres besetzt allerdings keine fremden Länder (Tibet, Xinjiang usw.) unter fadenscheinigen, ‚historischen‘ Ausreden und bedroht auch kein Nachbarland (Taiwan) mit Krieg, wenn es nicht willfährig ist. Und während es im großen Nachbarland nur eine einzige Partei gibt, kann Myanmar eine ganze Reihe davon nachweisen. Und seit 2010, spätestens 2015, gibt es hier freie Wahlen.

Ja, warum?  Es geht natürlich ums – GELD! Wer China boykottiert, verliert eine Menge davon! Das ist der Grund. Nebenbei bemerkt sind auch die kommunistischen Einparteiendiktaturen von Vietnam und Laos keinen Deut besser als Myanmar und selbst im demokratischen Malaysia werden die nicht-muslimischen Minderheiten diskriminiert: Stichwort Bumiputra! Alle haben Dreck am Stecken: Thailand mit seiner Tradition von Militärputschen und Stimmenkauf bei den ‚freien Wahlen‘, Indonesien mit seiner Unterdrückung von Minderheiten (Molukken, Papua usw.) – aber boykottiert wird immer nur Myanmar. Das stinkt uns!    

Dass das Militär allerdings im Februar 2021 nach zehn Jahren selbst verordneter Demokratie wieder putscht, hätte selbst ich mir nicht vorstellen können. Und ich habe wirklich schon viel erlebt in diesem Land. 

Doch wie sagte schon Rudyard Kiplings Freund anlässlich dessen Besuch? ‚This is Burma and it will be unlike any other country you know about‘ – oder so ähnlich. Hoffen wir, dass dieser Spuk bald wieder vorbei ist…