Tag 32 nach dem Putsch

Heute eher ruhig im ganzen Land. In Mandalay soll ein Unbeteiligter durch einen Querschläger getötet worden sein. In den großen Städten wurden vereinzelt wieder Barrikaden in Nebenstraßen errichtet, die jedoch schnell von der  Polizei geräumt wurden.

Für Aufsehen sorgte eine Drohung des CRPH (Committee Representing the Pyidaungsu Hluttaw), d. h. des Untergrund-Kommittes, das die Abgeordneten der NLD (National League for Democracy,  Partei von Aung San Suu Kyi) im Parlament repräsentiert. Eine Untergrundregierung, sozusagen. Dr. Zaw Wai Soe, deren ‚Minister‘ für Gesundheit, Erziehung und Sport, forderte diejenigen Angestellten der Regierung, die sich noch nicht an der Kampagne der Gehorsamsverweigung (CDM-Civil Disobedience Movenment) beteiligen, ultimativ auf,  sich bis zum 7. März (Mitternacht) der Kampagne anzuschließen. Bei den Adressaten handelt es sich hauptsächlich um medizinisches Personal. Wer das nicht täte, käme auf eine Liste von Personen, die ‚dem öffentlichen Interesse zuwiderhandeln‘. „Dies ist die letzte Aufforderung“, sagte der Doktor, „danach ist die Tür zu! Der Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge, Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit sowie Gut und Böse schlechthin zeigt sich hier. Entscheide dich, ob du für das Volk oder die Diktatoren und Mörder bist!“. Das CRPH ordnet eine zehntägige Schließung aller an Behörden an. Damit soll der Opfer der Revolution gedacht werden … Manche Beobachter fanden das arrogant. Wie auch immer: Die Leute sitzen nun zwischen Baum und Borke: Die Militärregierung droht jenen, die sich CDM anschließen, mit Strafen und die CRPH droht denen, die es nicht tun.     

Die EU hat ihre Unterstützung für Entwicklungsprojekte in Myanmar bis auf Weiteres gestoppt, um zu verhindern, dass der Regierung Geld zufließt. Gut so! Das trifft jetzt wirklich mal die Reichen, die ihre Häuser zu horrenden Preisen an solche Organisationen vermieten. (http://oldburmahand.com/ein-haeuschen-in-yangon)

Bargeld entwickelt sich – speziell für Ausländer – zum Problem. Die Banken sind seit zwei Wochen geschlossen und viele im Lande lebende Ausländer kommen nicht an Barmittel. Für mich kein Problem, meine Frau hat kurz nach dem Militärputsch ein paar Millionen (leider nur Kyat!) von der Bank abgehoben, weil sie dem Militär gehört. Einige Ausländer versuchen jetzt, sich des Hundi-Systems (https://de.wikipedia.org/wiki/Hundi) zu bedienen. Das im Übrigen in Deutschland als eine Form der Geldwäsche verboten ist. Es ist ein seit Jahrhunderten erprobter, als vertrauenswürdig betrachteter Weg der Geldüberweisung. Er wird hauptsächlich von in Europa lebenden Asiaten und Afrikanern benutzt, die Geld in die Heimat transferieren wollen. Und natürlich auch zur Geldwäsche …   

Mehr und mehr asiatische Staaten fordern mittlerweile ihre Staatsangehörigen auf, Myanmar zu verlassen. Evakuierungsflüge werden angeboten. Das bedeutet natürlich auch, dass Investitionen und Projekte aus Myanmar abgezogen werden. Auch viele Deutsche reisen jetzt aus. Ich bleibe natürlich hier!

In den Internetforen, die von Ausländern besucht werden, dominierten heute Meldungen, dass es zu Hamsterkäufen kommt. Die Supermärkte, die noch geöffnet sind, seien proppenvoll, lange Schlangen zu beobachten. Die Fleischtheken seien leer, ansonsten keine Engpässe. Hier bei uns in Maymyo gibt es nur einen Supermarkt. Dessen Angebot ist jedoch so erbärmlich, dass ich dort äußerst selten einmal hingehe. Also kein Problem. Die Bevölkerung kauft eh auf den Märkten und im Basar ein.

Auch angeblich landesweite Stromabschaltungen wurden reportiert. Kann ich NICHT bestätigen. Ein Sturm im Wasserglas. Stromabschaltungen sind in Myanmar alltäglich. Allerdings ist es erheblich besser als früher. Ich kann mich entsinnen, dass der Strom tagelang für 22 Stunden abgeschaltet wurde. Verglichen damit leben wir in goldenen Zeiten…                 

Vermischtes:

Neunzehn Polizisten sind im Chin-State (westlicher Landesteil) über die indische Grenze gegangen, weil sie sich weigern, gegen den ‚Aufstand‘ vorzugehen. Neue Demo-Waffe: Die Demonstranten werfen jetzt Tomaten auf die Straße, in denen Krähenfüße verborgen sind. Auch Murmeln kommen zum Einsatz! Sieg im Volkskrieg! Auf TikTok tauchen Videos von angeblichen Polizisten und Soldaten auf, die jene, die sich der Regierung widersetzen, mit dem Tod bedrohen. Diese Drohungen wurden von TikTok mittlerweile entfernt. Ob sie authentisch waren, bleibt dahingestellt.

Angeblich soll die Armee jetzt Tränengas aus Flugzeugen abwerfen. Bilder, die das nahelegen, grassieren in den Internetforen. Kann ich mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, da die Treffgenauigkeit aus mehreren hundert Metern Höhe vermutlich sehr gering ist. Mir sah das eher aus wie Mörserfeuer. Aber ich verstehe nichts davon, war nie bei der Bundeswehr. Sondern habe meinen ‚Wehrdienst‘ auf dem APO-Truppenübungsplatz Kurfürstendamm abgeleistet. Mit Pflastersteinen, ‚Sackschutz‘ und Pali-Tuch. Dem Volke dienen, war unsere Devise! (http://bruniversum.com/revolution/)