Heirat in Myanmar

Wenn junge Bäume schwere Früchte tragen - dann ist das Ende der Welt nicht fern.

Den Bund fürs Leben zu schließen ist nirgends einfach und das trifft auch in Myanmar zu. Gemeinhin gibt es hier eine ganze Reihe von Patentrezepten für die Auswahl des Partners, damit die Sache unter einem guten Stern steht. Da haben wir das Sprichwort yau‘ kya: bazin, mein:ma. pakhe‘ twin: was so viel bedeutet wie: Wenn der Mann erstmals ordiniert wird (d. h. frühestens mit 20!), soll seine zukünftige Frau noch in der Wiege liegen. Gefällt mir schon mal! Oder: thama: o zei, maya: pyo zei = Suche dir einen alten Arzt und eine junge Frau. Auch gut! Damit wäre auch einem der Träume des Königs von Koshala Genüge getan, in dem vor Ehen zwischen sehr jungen Partnern (siehe links) gewarnt wird. Allerdings warnt ein anderer Traum des Königs auch davor, sich eine erheblich jüngere Frau zu suchen, da der Mann dann leicht unter den Pantoffel gerät (siehe unten). Wie man‘s macht … Ich persönlich halte mich lieber an die bewährte Devise yau‘ kya: gaun:, maun: ma. tahtaun = Ein echter Kerl hat tausend Weiber!

Eine noch größere Rolle als diese Sprichworte spielt natürlich die Astrologie. Ein Samstagssohn (Drache, Naga) sollte niemals eine Donnerstagstochter (Ratte) heiraten: Das hieße, das Unglück geradezu herbeizurufen. Freitags (Meerschweinchen) und montags (Tiger) geborene Ehepartner in spe riskieren ein baldiges Ende ihrer Ehe. Sonntags (Garuda) und am Mittwochvormittags (Elefant mit Stoßzähnen) geborene Ehepartner können größtes Unglück heraufbeschwören. Und wenn eine am Mittwochnachmittag (Rahu) geborene Person eine am Dienstag geborene heiratet, droht gar der Tod! Doch keine Sorge: Es gibt auch günstige Kombinationen! Wenn sich Garuda und Meerschweinchen zusammen tun, werden beide steinreich. Löwen und Ratten werden zahllose Nachkommen haben. Wenn die Ehepartner Drachen/Nagas und Elefant mit Stoßzähnen sind, werden beide sehr alt! Und Tigermenschen, die mit Rahu-Menschen den Bund der Ehe eingehen, werden intelligente Kinder haben.

Betreffend des gesetzlichen Heiratsalters in Myanmar besteht Unklarheit. Ein mir bekannter Mitarbeiter einer Botschaft in Yangon hatte sich wegen einer Strafsache gegen einen Ausländer (Missbrauch von Minderjährigen) eingehend informiert. Und herausgefunden, dass Burmesinnen ab dem vollendeten 14. Lebensjahr heiraten können – das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt! Das half dem betroffenen Ausländer wenig, da das Mädchen noch nicht 14 war. Er wurde zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt. Wenn ich das allerdings burmesischen Freunden erzähle, ernte ich nur ungläubiges Kopfschütteln: „14 Jahre? Das kann nicht sein! 18, mindestens!“. Immerhin können m. W. in Deutschland junge Frauen ab 16 heiraten, ebenfalls mit Einverständnis der Eltern … Daher erscheint es mir nicht völlig abwegig, dass burmesische Mädchen mit 14 heiraten können. Generell scheint es so zu sein, dass auf dem Lande Ehen früher geschlossen werden als in den Städten. Die meisten Frauen und Männer, die ich kenne, haben sich in ihren späten Zwanzigern oder in ihren Dreißigern das Jawort gegeben. 

 

Wenn die Ehefrau (der Frosch) den Mann (die Kobra) ausschimpft, ist es nicht anders!

Die Eheschließung beruht meist auf Zuneigung. Zwar versuchen viele Eltern (oft erfolgreich), bei der Wahl des Ehepartners ein Wörtchen mitzureden, aber im Falle eines Falles ist die ‚Entführung’ (engl.: elopement, burm.: kho pye) der Braut nicht unüblich. Natürlich mit deren Einverständnis. Nicht selten ist das ‚Entführungsopfer’ die treibende Kraft. Man versteckt sich einige Zeit bei Freunden oder vielleicht sogar im Wald. Und dann geben die Eltern in der Regel ihren Segen … Und sage keiner, das sei Schnee von gestern: Meine eigene Schwägerin tat das auch! Und das war nicht der einzige Fall, den ich kenne. Die traditionelle Eheschließung ist einfach und es gibt unterschiedliche Traditionen. So gelten in einigen Gegenden zwei Liebende als verheiratet, wenn sie dreimal miteinander Reis gegessen haben.

Oder wenn ein Liebespaar zusammen wohnt. Meine beiden Schwägerinnen hielten es wie folgt: Die Nachbarn in sieben Häuser zur Linken und sieben zur Rechten wurden benachrichtigt, dass man jetzt verheiratet sei. Anschließend wurde eine Hochzeitsfeier gemacht und das war’s dann. Standesamtlich sind sie bis heute nicht getraut, obwohl sie schon Kinder haben. Auf jeden Fall ist die burmesische Hochzeit recht formlos verglichen mit den bürokratischen Hürden, die in westlichen Ländern davor stehen. Was angesichts der dort geltenden Gesetze zum Thema Scheidung durchaus berechtigt ist. Letztere ist in der Regel nach meiner Erfahrung in Myanmar weniger kompliziert als in westlichen Ländern.