Rambo, Larkin und andere

Ich war und bin jedoch bei weitem nicht der Einzige, der solchen Hirngespinsten nachhängt. Am konsequentesten hat es wohl Emma LARKIN betrieben. In ihrem Buch ‚Secret Histories (Finding George Orwell in a Burmese Teashop)‘ begibt sie sich systematisch auf die Suche nach ORWELLs Spuren in Myanmar, indem sie alle Stationen seines Wirkens im Goldenen Land besucht. Dabei wird sie von einem fast schon pathologischen Hass auf die Militärregierung getrieben, der nur noch von ihrem Verfolgungswahn übertroffen wird: Überall fühlt sie sich bespitzelt! Wenn mal ein Radfahrer mehr als zehn Minuten hinter ihr herfährt ist er garantiert ein Spion des Geheimdienstes! Ich zweifle nicht daran, dass ich da auch eine dicke Akte habe – lässt sich wohl nicht verhindern, wenn man so lange im Lande ist – aber verfolgt fühlte ich mich nie. Ich glaube, die stufen mich als harmlos ein, womit sie sogar recht haben – ich glaube, ganz im Gegensatz zu anderen, dass die Burmesen ihre Probleme auch ohne mich in den Griff bekommen.

Frau LARKIN vertritt allen Ernstes die Meinung, dass ORWELL in seinem Buch ‚1984‘, das er fast zwanzig Jahre nach seiner Abreise aus Burma schrieb (nämlich 1948, er hatte die beiden letzten Ziffern einfach vertauscht) die Zustände unter der Militärdiktatur in Burma (später Myanmar) beschrieben habe – eine ebenso kühne wie unzutreffende Spekulation. Aber sie geht noch einen Schritt weiter: ‚Burmese Days‘, ‚Animal Farm‘ und ‚1984‘ sind in Wahrheit eine Trilogie, welche die Zustände in Myanmar unter der Militärdiktatur beschreibt. Nun ist Myanmar sicher ein autoritärer Staat – aber keinesfalls ein totalitärer! Selbst wenn die Militärs das vielleicht gern hätten, so widerspricht das doch so sehr dem nationalen Charakter, dass jede Bemühung in dieser Richtung von vornherein zum Scheitern verurteilt ist. Das Buch ‚Animal Farm‚ war in Myanmar lange verboten, während ‚Burmese Days‘ allenthalben zu finden war – vermutlich, weil es so gründlich anti-kolonialistisch ist … Zu Frau LARKINs Ehrenrettung sei jedoch gesagt, dass sie manchmal selbst an ihren Hirngespinsten zweifelt. Als sie das große Angebot an Selbsthilfe-Literatur als Indikator einer bevorstehenden Revolution deutet und einen burmesischen Schriftsteller fragt, ob er ihre Meinung teile, sagt der: „Nenne mir ein Land, in dem diese Bücher nicht populär sind!“. Und was schließt sie daraus? „Sometimes, I realized, you could read too much between the lines.”! (Ü: „Manchmal, so wurde mir klar, kann man einfach zu viel zwischen den Zeilen lesen“). Und noch eins muss man ihr lassen: Sie kann wunderbar das Obst- und Gemüseangebot auf Märkten beschreiben, Hut ab!

 

Der gefährlichste Gegner der Armee sind jedoch weder Frau Larkin noch die diversen Insurgenten bzw. Befreiungsorganisationen – nein, es ist John Rambo! Der gute Mann hatte im ersten Rambo-Film in seiner amerikanischen Heimat als Kriegsveteran eine komplette Heimatschutzdivision aufgemischt und damit auf die Diskriminierung der Vietnamkriegs-Veteranen aufmerksam gemacht. Im zweiten Film zog es ihn an seine alte Wirkungsstätte Vietnam zurück, wo er den Kommies mal richtig die Leviten las. Etliche von der vietnamesischen Regierung gegen alles internationale Recht festgehaltene amerikanische Soldaten befreite er damals. Auch im dritten Rambo-Film ging es gegen den kommunistischen Erzfeind: Diesmal die Russen selbst, die Afghanistan besetzt hatten. Und nun Rambo IV, in dem ein inzwischen etwas gealterter Silvester Stallone mitwirkt. Diesmal war die burmesische Armee der Feind! Ausgerechnet! Die Regierungssoldaten metzelten unschuldige Zivilisten nieder, schossen Flüchtende in den Rücken, plünderten und brannten ganze Dörfer nieder. Ja, sie vergewaltigten nicht nur die Karen-Frauen, sondern sogar die von der Regierung zur Unterhaltung der Truppe geschickten Sängerinnen. Und dann kam Rambo und bot dem üblen Treiben Einhalt, obwohl er ja eigentlich gar nicht mehr in dieser Richtung aktiv sein wollte – sondern Schmetterlinge sammelte oder so. Interessant die Reaktion meiner Freunde und Bekannten, die den Film gesehen hatten (es waren erstaunlich viele, obwohl der Film natürlich in Myanmar verboten war). Die Karen sagten, das sei alles noch untertrieben, in Wirklichkeit würde die burmesische Armee noch viel schlimmer in den Karen-Gebieten wüten. Die Burmesen hingegen waren empört über den Film, in dem die Soldaten der Tatmadaw als Vergewaltiger und Totschläger diffamiert werden. Wenn auch keiner von ihnen unbedingt ein Freund der Armee war, so waren es doch Angehörige ihrer eigenen Volksgruppe, die hier so negativ dargestellt wurden. Da hört dann die Kritik an der Armee auf und es gibt nur noch Bamar! Die früher so beliebten Plastiktüten mit dem halbnackten Rambo sind übrigens seit Erscheinen des Films kaum noch auf der Straße zu sehen.

Zu den ‚anderen‘ siehe unter ‚Kindersoldaten

Endlich: Rambo räumt auf in Burma